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13.07.2010
 
   Hof Sickenberg erhält Thüringer Denkmalpreis
 
"Ohne die fachkundige handwerkliche Arbeit, die zahlreichen fleißigen Hände am Wochenende und in der Freizeit, die finanzielle Unterstützung durch den Landkreis Eichsfeld und den Freistaat Thüringen und, nicht zu vergessen, ohne die vielen positiven, motivierenden Rückmeldungen hätte der Hof dieses Ziel nicht erreicht", heißt es in der Einladung von Kristina Bauer, um mit Freunden, Bekannten, Helfern und Förderern die Überreichung des Thüringer Denkmalpreises 2010 zu feiern. Selbstverständlich waren zu diesem bedeutenden Ereignis auch der Landrat Dr. W. Henning, die Bürgermeisterin Ursula Lange und der VG-Vorsitzende Th. Heddergott gekommen, denen der Stolz auf diesen schönen Hof in ihrem Bereich sichtlich anzumerken war. Von ganzem Herzen und beeindruckt von dem, was Kristina Bauer da in wenigen Jahren auf die Beine gestellt hat, gratulierten die zahlreichen Gäste. Der Heimat- und Verkehrsverband Eichsfeld hatte extra eine "HVE"-Torte zu diesem Fest gebacken. Das Naturparkzentrum Fürstenhagen, die Akteure des Schaugartens in Schönhagen, Vertreter des Grenzmuseums waren ebenfalls anwesend, ist doch das Hofcafe eine Bereicherung der touristischen Angebote am Rand der Deutschen Märchenstraße und der Eichsfelder Schweiz.
Nachfolgend ein Artikel von Heinz Stade, Sonderbericht in der TA, Thüringen Tradition.

Hierher kann man Leute führen, denen man zeigen möchte, was "ländliche Idylle" meint. In dieses Anwesen soll kommen, wer ehrliche, herzliche Gastfreundschaft schätzt und ursprünglichem Landleben nachspüren möchte. Dass Eigentümerin Kristina Bauer an einer Fassade des Vierseithofes Sickenberg Nr. 9 in Kürze die Plakette "Ausgezeichnet mit dem Thüringer Denkmalpreis 2010" anbringen kann, ist hochverdient.

In der waldreichen Landschaft zwischen Heilbad Heiligenstadt und Bad Sooden-Allendorf, wo das thüringische Obereichsfeld in die hessische Schweiz übergeht und die Werra eine beachtliche Breite hat, liegt auf einer Anhöhe das keine zehn Häuser zählende Dörfchen Sickenberg. Dieser wunderschöne Flecken Erde war von 1961 bis 1989 für nahezu jeden unerreichbar, der hier nicht ansässig gewesen ist oder nahe Verwandte hatte. Gräben, Wachtürme, Signalanlagen, Drahtzaun und Betonmauer, wie sie in dem dicht bei Sickenberg errichteten Grenzmuseum Schifflersgrund noch zu sehen sind, ließen keine Zweifel daran aufkommen, dass ungenehmigter Besuch in oder gar die Flucht aus dem thüringischen Grenzdorf in das zum Greifen nahe Hessen, lebensgefährlich waren. Mit Tante Else, wie man sie im Dorf nannte, hatte im Vierseithof Nr. 9 das letzte von neun Kindern der einstigen Hofbesitzer bis in das Jahr 2000 gewohnt. Fortan stand das im beginnenden 19. Jahrhundert gebaute Gehöft leer.

"Es sah alles ein bisschen traurig aus, so verlassen", erinnert sich Frau Bauer an die erste Begegnung mit dem seit 1995 unter Denkmalschutz stehenden Anwesen. Dennoch habe sie sich sofort darein verliebt. Einige Jahre schon war die im nahen Göttingen lebende Agraringenieurin auf der Suche nach einem Objekt, in welchem sich ihr Traum von einem Ferienhof mit biologischer Landwirtschaft mit alten Kulturpflanzen und fast ausgestorbenen Haustieren realisieren lassen würde. 2003, "kurz bevor ich meine Suche aufgeben wollte", erreichte sie dann der Tipp, der ihr Leben verändern sollte. Nun wohnt sie schon gut zweieinhalb Jahre hier, betreibt neben der Landwirtschaft und der mit Schafen und Kaninchen begonnenen Viehzucht eine florierende Pension und ein an den Wochenenden geöffnetes Hofcafe mit Bewirtschaftung auch im Freien. Die handgeschriebene Karte des Hauses bietet - wen wird es noch überraschen? - vor allem Einheimisches. Etwa aus Sauerteig mit der Hand geknetetes Roggenbrot, das in dem zum Hof gehörenden Backhaus vollendet wird. Und natürlich werden die angebotenen Kuchen ausschließlich mit Früchten belegt, die vor der Haustür, auf der Streuobstwiese und im Garten wachsen - darunter auch vier Walnussbäume.
Als Frau Bauer das vom Leerstand gezeichnete Anwesen gefunden hatte fragte sie sich zwei Dinge: Wie mag das Gehöft wohl zu seinen Glanzzeiten ausgesehen haben? Und wie würde es sich anfühlen, wenn der Hof wieder zu neuem Leben erwacht? Noch nicht jedes Bauteil des Vierseithofes hat den Glanz von früher, aber peu a peu kommt es dahin. Längst aber weiß Bauherrin Bauer und wissen es ihre zahlreichen Gäste aus Nah und Fern, dass sich der wieder ins Leben zurückgekehrte Hof richtig gut anfühlt. Allen voran das stattliche Wohnhaus, das sich auf einem in Sandsteinquadern ausgeführten Kellergeschoss erhebt. Den zweigeschossigen, in landschaftstypischer Konstruktion errichteten Fachwerkbau bedeckt ein Krüppelwalmdach. Im Inneren sind die Raumstrukturen aus der Bauzeit ebenso unverändert überkommen wie reichlich Teile der sogenannten wandfesten Ausstattung - darunter Lehmwickeldecken, Fußböden, Türen und Fenster. Behutsam wurden die historischen Räume den neuen Nutzungen angepasst. Das man im einstigen Knechtezimmer badet oder in der vormaligen Wurstkammer wohnt, erklärt die Hausherrin gern jedem Gast. So wie sie im Obergeschoss während der Sanierung gefundene Reste einer stilisierten ornamentalen Wandfassung aus der Zeit um 1860/70 als eine Art archäologisches Fenster erhalten hat, gibt es an vielen Stellen des Anwesens Belege für die denkmalpflegerisch hohen Ansprüche von Frau Bauer. Weil sie "in nur vier Jahren mit höchstem persönlichen Engagement der Kulturlandschaft Eichsfeld ein Kleinod zurückgegeben hat", musste die Jury des Denkmalpreises daher auch gar nicht lange überlegen.

 
 
 
 
 
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