"Ohne
die fachkundige handwerkliche Arbeit, die zahlreichen fleißigen
Hände am Wochenende und in der Freizeit, die finanzielle
Unterstützung durch den Landkreis Eichsfeld und den Freistaat
Thüringen und, nicht zu vergessen, ohne die vielen positiven,
motivierenden Rückmeldungen hätte der Hof dieses Ziel
nicht erreicht", heißt es in der Einladung von Kristina
Bauer, um mit Freunden, Bekannten, Helfern und Förderern
die Überreichung des Thüringer Denkmalpreises 2010 zu
feiern. Selbstverständlich waren zu diesem bedeutenden Ereignis
auch der Landrat Dr. W. Henning, die Bürgermeisterin Ursula
Lange und der VG-Vorsitzende Th. Heddergott gekommen, denen der
Stolz auf diesen schönen Hof in ihrem Bereich sichtlich anzumerken
war. Von ganzem Herzen und beeindruckt von dem, was Kristina Bauer
da in wenigen Jahren auf die Beine gestellt hat, gratulierten
die zahlreichen Gäste. Der Heimat- und Verkehrsverband Eichsfeld
hatte extra eine "HVE"-Torte zu diesem Fest gebacken.
Das Naturparkzentrum Fürstenhagen, die Akteure des Schaugartens
in Schönhagen, Vertreter des Grenzmuseums waren ebenfalls
anwesend, ist doch das Hofcafe eine Bereicherung der touristischen
Angebote am Rand der Deutschen Märchenstraße und der
Eichsfelder Schweiz.
Nachfolgend ein Artikel von Heinz Stade, Sonderbericht in der
TA, Thüringen Tradition.
Hierher kann man Leute führen, denen man zeigen möchte,
was "ländliche Idylle" meint. In dieses Anwesen
soll kommen, wer ehrliche, herzliche Gastfreundschaft schätzt
und ursprünglichem Landleben nachspüren möchte.
Dass Eigentümerin Kristina Bauer an einer Fassade des Vierseithofes
Sickenberg Nr. 9 in Kürze die Plakette "Ausgezeichnet
mit dem Thüringer Denkmalpreis 2010" anbringen kann,
ist hochverdient.
In der waldreichen Landschaft zwischen Heilbad Heiligenstadt
und Bad Sooden-Allendorf, wo das thüringische Obereichsfeld
in die hessische Schweiz übergeht und die Werra eine beachtliche
Breite hat, liegt auf einer Anhöhe das keine zehn Häuser
zählende Dörfchen Sickenberg. Dieser wunderschöne
Flecken Erde war von 1961 bis 1989 für nahezu jeden unerreichbar,
der hier nicht ansässig gewesen ist oder nahe Verwandte
hatte. Gräben, Wachtürme, Signalanlagen, Drahtzaun
und Betonmauer, wie sie in dem dicht bei Sickenberg errichteten
Grenzmuseum Schifflersgrund noch zu sehen sind, ließen
keine Zweifel daran aufkommen, dass ungenehmigter Besuch in
oder gar die Flucht aus dem thüringischen Grenzdorf in
das zum Greifen nahe Hessen, lebensgefährlich waren. Mit
Tante Else, wie man sie im Dorf nannte, hatte im Vierseithof
Nr. 9 das letzte von neun Kindern der einstigen Hofbesitzer
bis in das Jahr 2000 gewohnt. Fortan stand das im beginnenden
19. Jahrhundert gebaute Gehöft leer.
"Es sah alles ein bisschen traurig aus, so verlassen",
erinnert sich Frau Bauer an die erste Begegnung mit dem seit
1995 unter Denkmalschutz stehenden Anwesen. Dennoch habe sie
sich sofort darein verliebt. Einige Jahre schon war die im nahen
Göttingen lebende Agraringenieurin auf der Suche nach einem
Objekt, in welchem sich ihr Traum von einem Ferienhof mit biologischer
Landwirtschaft mit alten Kulturpflanzen und fast ausgestorbenen
Haustieren realisieren lassen würde. 2003, "kurz bevor
ich meine Suche aufgeben wollte", erreichte sie dann der
Tipp, der ihr Leben verändern sollte. Nun wohnt sie schon
gut zweieinhalb Jahre hier, betreibt neben der Landwirtschaft
und der mit Schafen und Kaninchen begonnenen Viehzucht eine
florierende Pension und ein an den Wochenenden geöffnetes
Hofcafe mit Bewirtschaftung auch im Freien. Die handgeschriebene
Karte des Hauses bietet - wen wird es noch überraschen?
- vor allem Einheimisches. Etwa aus Sauerteig mit der Hand geknetetes
Roggenbrot, das in dem zum Hof gehörenden Backhaus vollendet
wird. Und natürlich werden die angebotenen Kuchen ausschließlich
mit Früchten belegt, die vor der Haustür, auf der
Streuobstwiese und im Garten wachsen - darunter auch vier Walnussbäume.
Als Frau Bauer das vom Leerstand gezeichnete Anwesen gefunden
hatte fragte sie sich zwei Dinge: Wie mag das Gehöft wohl
zu seinen Glanzzeiten ausgesehen haben? Und wie würde es
sich anfühlen, wenn der Hof wieder zu neuem Leben erwacht?
Noch nicht jedes Bauteil des Vierseithofes hat den Glanz von
früher, aber peu a peu kommt es dahin. Längst aber
weiß Bauherrin Bauer und wissen es ihre zahlreichen Gäste
aus Nah und Fern, dass sich der wieder ins Leben zurückgekehrte
Hof richtig gut anfühlt. Allen voran das stattliche Wohnhaus,
das sich auf einem in Sandsteinquadern ausgeführten Kellergeschoss
erhebt. Den zweigeschossigen, in landschaftstypischer Konstruktion
errichteten Fachwerkbau bedeckt ein Krüppelwalmdach. Im
Inneren sind die Raumstrukturen aus der Bauzeit ebenso unverändert
überkommen wie reichlich Teile der sogenannten wandfesten
Ausstattung - darunter Lehmwickeldecken, Fußböden,
Türen und Fenster. Behutsam wurden die historischen Räume
den neuen Nutzungen angepasst. Das man im einstigen Knechtezimmer
badet oder in der vormaligen Wurstkammer wohnt, erklärt
die Hausherrin gern jedem Gast. So wie sie im Obergeschoss während
der Sanierung gefundene Reste einer stilisierten ornamentalen
Wandfassung aus der Zeit um 1860/70 als eine Art archäologisches
Fenster erhalten hat, gibt es an vielen Stellen des Anwesens
Belege für die denkmalpflegerisch hohen Ansprüche
von Frau Bauer. Weil sie "in nur vier Jahren mit höchstem
persönlichen Engagement der Kulturlandschaft Eichsfeld
ein Kleinod zurückgegeben hat", musste die Jury des
Denkmalpreises daher auch gar nicht lange überlegen.
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